Das Charisma

Das Charisma der Gemeinschaft entfaltet sich im Gebet und in der Gastfreundschaft. Das sind charakteristische Merkmale des biblischen Betanien, die im Geist der franziskanischen Spiritualität im Mittelpunkt unseres Gemeinschaftslebens stehen. Aus diesem Grund ist die Jungfrau Maria, die Mutter Jesu, für uns das höchste Vorbild, weil sie Gebet und Gastfreundschaft in harmonischer Verbindung gelebt hat.

Die drei Säulen unserer Lebensformc

Unser Gebet

Gebet heißt, die Anwesenheit Christi unter uns aufzurufen, die zugleich Gemeinschaft schafft. Das Gebet pflegt einerseits den persönlichen Bezug zu Jesus Christus und ist andererseits unverzichtbar, um das lebendige Feuer der Liebe zu nähren. Es befähigt zudem zu einem authentischen, geschwisterlichen Leben und zu wahrer Gastfreundschaft. Unser Institut widmet einen großen Teil des Tages dem gemeinschaftlichen Beten:

Die Eucharistiefeier, „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (2. Vat. Konzil, LG 11), ist für uns das Rückgrat unseres gemeinschaftlichen Betens und Mittelpunkt unseres ganzen geistlichen Lebens.

Das Stundengebet strukturiert unseren Tag und heiligt so den Ablauf des ganzen Tages und der Nacht durch das Gotteslob.

Das Gebet in der Nacht ist nach dem Beispiel Jesu Christi und der meisten Heiligen für das Leben unseres Instituts wesentlich.

Der Rosenkranz drückt unsere besondere Verehrung für die Mutter des Herrn aus und verbindet die Meditation über die Geheimnisse des Lebens Christi und der Kirche mit einer Form des inneren Gebets.

Die eucharistische Anbetung, die Meditation des Wortes Gottes und das spontane Lob sind weitere Formen in unserem Gebetsleben.

Unsere Gastfreundschaft

Christus ist der Zeuge eines barmherzigen und den Menschen zugewandten Gottes schlechthin. Deswegen ist Anund Aufnahme des anderen eine unabdingbare christliche Grundeinstellung. In Betanien wird Jesus als Herr und Meister wie auch als Freund und Bruder aufgenommen; in jenem Haus widmet er sich ganz den Gastgebern und nimmt gleichzeitig die Gabe der anderen vorbehaltlos entgegen (vgl. Lk 10, 38 – 42; Joh 11, 1–44; 12, 1-3). Die Teilnahme an den verschiedenen Momenten unseres Tagesablaufs ermöglicht dem Besucher unserer Häuser im Gebet, in den Sakramenten und im geschwisterlichen Zusammenleben eine tiefe und belebende Begegnung mit Jesus. Unsere Aufnahmebereitschaft gilt: allen, die Gott suchen; allen, die eine tiefere Erfahrung mit Gott haben möchten; allen, die sich auf der Suche nach ihrer Berufung befinden; Priestern und Ordensleuten, die sich müde und leer fühlen aufgrund ihrer apostolischen Tätigkeit und die Beziehung zu ihrem Herrn wiederfinden möchten; Familien, also Gemeinschaften von Liebe und Leben, die auf dem Sakrament der Ehe gründen und die Schönheit und Größe dieser Berufung wieder entdecken möchten; Jugendlichen, die ohne Orientierung sind; allen, die das Bedürfnis spüren, sich von einem hektischen Alltagsleben zurückzuziehen, um eine Weile in der Stille der klösterlichen Gemeinschaft zu bleiben.

Unser Gemeinschaftsleben

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Gemeinschaftsleben. Das biblische Betanien war das Haus von Marta, Maria und Lazarus, zweier Schwestern und eines Bruders, die die Freundschaft und Anwesenheit Jesu in einer familiären Atmosphäre genossen. Unser Betanien ist ein Haus von Brüdern und Schwestern, die das gleiche Leben teilen und täglich die Anwesenheit Christi erbitten. Das Gemeinschaftsleben ist der erste Bereich jener freundschaftlichen Zuwendung, die sich vor allem gegenüber der Schwester und dem Bruder, die Gott zusammen geführt hat, verwirklichen muss. Denn dies ist die Bewährungsprobe für die Folgerichtigkeit eines christlichen Lebens und der erste Raum, in dem es die Liebe Gottes zu realisieren gilt. Das Gemeinschaftsleben ist auch ein Spiegel, der uns unsere Schwächen zeigt und anregt, unsere Grundhaltung zu verwirklichen. Deswegen sind Bruder bzw. Schwester nicht nur einfach eine Anrede, sondern bezeichnen, was wir wirklich sind und wozu wir berufen sind, es untereinander und mit den anderen Menschen zu verwirklichen – auch zum Zeugnis in der Kirche. Das Zeugnis des Gemeinschaftslebens ist unsere erste Weise der Evangelisierung. Christus selbst hat gesagt: “Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.” (Joh 13, 35).

Marianische Spiritualität

Marianische Geisteshaltung beruht auf der Vorbildhaftigkeit der Magd des Herrn für ein gottgeweihtes Leben. Sie ist der Zugang zum Christusmysterium. Die Spiritualität unserer Gemeinschaft ist inspiriert vom Geheimnis seiner Menschwerdung, in dem sich Gottes Heilsplan erfüllt hat. Dieser wurde eingeleitet durch das Fiat Mariens. So verbinden wir uns der Mutter des Herrn in tiefer Verehrung und in dem Bewusstsein, dass ihr Sohn ihr die Menschheit – am Kreuz – anvertraut hat, damit sie uns auf den Weg zu ihm führe.

Franziskanische Spiritualität

Der hl. Franz von Assisi, der in göttlicher Eingebung, das Leben Jesu und seiner Jünger nachahmen wollte, gab den Anstoß zu einer Weise, nach dem Evangelium zu leben, die er fraternitas nannte. Er stellt das einfache Leben, geprägt durch Fröhlichkeit (letitia), Bescheidenheit (minoritas) und nicht zuletzt durch den Reichtum eines brüderlichen Lebens in den Mittelpunkt und in den Dienst für alle Menschen. Dieser Dienst zeigt sich in einer liebevollen Aufmerksamkeit auch gegenüber dem geringsten Bruder. Dies ist für uns das wertvollste Erbe der franziskanischen Tradition.